Alles muss raus

 

 

Die Installation Alles muss raus, entstanden April 2013 in Zusammenarbeit mit Christoph Erdt als Beteiligung an der Gemeinschaftsausstellung “Alles muss raus” der Pupille Künstlervereinigung Hanau. Die Installation thematisiert Versuchung, Überwindung und provoziert gesellschaftliche Desorganisation. Die Sozialdynamik um die Installation ist der maßgeblich im Vordergrund stehende Betrachtungswert der Arbeit, aus welchem Grund eine Time-Lapse Sequenz, aufgenommen an der Vernissage am 14.04.2013 im Neustädter Rathhaus Hanau, zur Nachvollziehung eben jener Sozialdynamik entstanden ist.

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Alles muss raus
Entstehungsjahr 2013
Höhe 100 cm (ca. 160 cm im vollständig ausgefahrenen Zustand)
Länge 80 cm
Breite 40 cm
Materialien OSB / Elektromotor / Buzzer / Sirene / Leuchtmittel / Rollladengurte / Büttenpapier / Tusche

Der Kunstsammler

Hallo, ich möchte Ihnen heute etwas über mich erzählen.

Ich bin nämlich anders. Nein wirklich anders.

Ich meine ich sehe aus wie sie, aber ich bin eigentlich was Besonderes.

Ich bin kein Mensch wie du und ich.

Ich bin Kunstsammler.

Ich sammle Kunst.

Ich gehe durch Ausstellungen und nehme mit was mir gefällt… naja… ich meine was mir wirklich gefällt… das ist meine Passion…

 

Wenn ich meine Sammlung durchgehe, dann finden sich dort wirkliche Raritäten… einmalige Sachen… von Bosch bis Baselitz… das hat alles seinen Preis, aber den Zahle ich gern, denn ich hänge an den Werken. Und die Werke hängen an meiner Wand, dort sehe ich sie mir immer wieder an, und bin stolz auf jedes davon.

 

Als ich anfing zu sammeln, dazu muss man sagen, das waren noch andere Zeiten, nicht so wild… naja, jedenfalls als ich anfing zu sammeln, da war ein Rembrandt wirklich noch was innovatives… da hat man Wert gelegt auf richtige Handwerkskunst im Kunsthandwerk… ja das war wirklich noch ein Handwerk… nicht so wie heute.

Aber andererseits ist das auch schon lange her… seitdem ist viel passiert… Ja, ja… so schnell vergeht die Zeit.

 

Aber nachdem Gogh sich einweisen lies, Braque uns in kleine Häppchen teilte, Rousseau alle Cezannes fertig gemalt hatte und Baselitz uns den Kopf verdrehte… … seitdem sieht alles anders aus.

Gut ist, was keiner versteht… so viel habe ich verstanden.

Aber… eins hat mir dann Beuys erst richtig klar gemacht… ob mit oder ohne Gold im Gesicht, ein toter Hase versteht mehr von Kunst als Sie denken…

Ich bin das alles leid… diese elende Diskussion um Ästhetik, Fertigkeit und Kommerzialisierung.

Raus mit dem ganzen Kram.

Alles muss raus.

 

Schluss aus, ich Sattel um, ich werde selber Künstler!

Ich restauriere Marienbilder ohne böse Absicht, sprühe goldene Stiere auf jeden meiner Picassos, und vor allem.

Raus mit dem Kram.

Kein Kunstsammler, ich werde Rausschmeißer…

 

Meine Monets landen im Seerosenteich, dort füllt Yoko Ono sie in Flaschen ab. Meine Klimts lass ich in Barren gießen, ich verfüttre Klee an meinen Hasen und taufe diesen Beuys. Ich male Dalis Uhren ein paar nette Schnurrbärtchen auf das Ziffernblatt, und verkaufe meine Warhols an einen Tomatensuppenhersteller (wobei, einen behalte ich doch, als Andenken, welcher ist eigentlich egal…). Lichtenstein stell ich zu Hergé ins Bücherregal und Rauch neben Goethes „Zur Farbenlehre“ (wer weiß, vielleicht bringt`s ja was?). Zuletzt, Druck ich Modigliani im Playboy ab (direkt neben Toulouse-Lautrec), und stelle jeden Baselitz auf den Kopf.

 

Jetzt ist alles draußen… endlich ist die Leinwand weiß.

Lachend liege ich in Diogenes Tonne und denke: „Jeder Mensch ist ein Künstler!“ – sogar ich.

 

Das muss ich gleich meinem Kaninchen erzählen.

 

Jesekiel (Benedikt Wallisser) 2013